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1.Mai.2008 / 12.Dez.2009
Wie die Kleinen von den Grossen beschissen werden

Der Affiliate Markt ist ein brandneuer Werbemarkt. Er ist erst vor 15 Jahren entstanden und darf natürlich auch seine Kinderkrankheiten haben. Aber was will ich damit sagen:
Ich möchte nicht um den Brei herumreden, sondern ganz einfach meine eigenen Erfahrungen "im Beschissen werden" aufzeigen. Oder wie die "Anderen" zu sagenhaften Millionäre übers Internet werden.
Vor allem fehlt immer noch eine unabhängige, externe Kontrollstelle! Am besten wäre wenn sich der Fiskus damit befassen würde. Den wir reden hier von Millionengeschäfte und Milliardenumsätzen.



Im 2007 habe ich mich bei mehreren Affiliate-Netwerken angeschlossen. Dabei wollte ich vorerst gar kein Geld verdienen - das sollte später kommen - sondern nur diese Netzwerke durchtesten. Meine Analyse befasst sich NICHT mit PAY-PER-KLICK. Sondern ausschliesslich mit prozentuale Provisionen beim Kauf übers Internet.

Vorerst einmal, wie funktionieren diese Affiliate-Netzwerke: König im ganzen System ist der Kunde oder der Käufer, also der Internet-USER, der die Ware per Maus-Klick kauft und zuerst bezahlen muss, und die Ware nicht zurückgibt. Sonst gibt es verständlicherweise keine Provision.

Danach kommt der Affiliate-Partner auch Publisher genannt - also der Webmaster der die Internet-Seite zur Verfügung stellt, verwaltet und im Netz stellt und Werbung für die Ware tätigt. Dieser sollte schlussendlich ca. 4 - 6 % des Verkaufspreises erhalten.

Dann haben wir das Affiliate-Netzwerk, der die Hauptprovision vom Verkäufer entgegennimmt und einen Teil am Affiliate-Partner abgibt.

Am anderen Ende kommt der Verkäufer oder der Merchand der die Ware liefert und die Hauptprovision am Affiliate-Netzwerk abgibt. Dem Affiliate-Netzwerk obliegt dann die Aufgabe, einen Teil der Provision am Affiliate-Partner abzugeben. Der Merchandise kennt meist den Affiliate-Partner nicht und hat meist auch kein Kontakt mit Ihm.

grafik über das affiliate system mit merchand und network

Nun muss man sich die Frage stellen: Wie Sicher ist es, dass das Affiliate-Netzwerk den Teil der Provision (die dem Affiliate-Partner gehört) auch weitergibt?

Und wenn überhaupt, gibt er es dem Richtigem weiter?

Nach sehr vielen Test, bin ich heute von einigen dieser Affiliate-Netzwerken extrem enttäuscht. Denn nach diesen Tests stelle ich folgende Schritte fest, um uns kleine Webmasterlein legal ums Geld zu bringen:

Schritt 1 - lange Cookies - um den kleinen Webmaster über's Ohr zu hauen:

Vermittle dem Webmasterlein, dass eine lange Dauer der Cookies gut sei! 30 oder noch mehr Tage lang! Ach? .... warum denn lang? So ein Unsinn!

Je länger desto besser für die "Grossen" Webmasters. Ganz bestimmt nicht für uns Kleinen.

Begründung: In den täglich, von allen User benutzten Seiten, wie:
  • www.news.xx und Derähnliches
  • www.finanzen.xx und Derähnliches
  • www.sport.xx und Derähnliches
  • sowie in den gut besuchten Foren,

haben die Grossen Webmasters bereits ihre Banner mit langdauernden Cookies besetzt. Schon "nur" beim Öffnen einer dieser Top-Seiten werden einem Tracking-Cookies und Ähnliches untergejubelt. Man muss nicht einmal auf den Banner klicken!

Da haben wir Kleinen absolut keine Chance mehr über den gleichen Affiliate-Programm Geld zu verdienen. Im Gegenteil, wir füttern damit nur die Grossen, denn diese haben bereits ihre Cookies mit einer höheren Priorität vorausfixiert und verdienen dann über unsere URL noch mehr Geld!! Denn die Grossen setzen auch Tracking-Cookies ein. Die Browser der Kunden können diese nicht löschen! Hingegen unsere Cookies werden von den Browser gelöscht!

In Wirklichkeit sollten die Cookies nie über 24 Stunden hinaus gesetzt sein!

Zudem: Sobald Cookie-Prioritäten und Tracking-Cookies vorhanden sind, wird das Ganze undurchsichtig und unglaubwürdig. In einem Geschäft, wo sich die Partner persönlich nicht kennen, kann man nicht Gottvertrauen im Partner und dessen "Prioritäten" haben. Hier kann man den Schaden nur durch eine kurze Cookie-Dauer und ein Verbot von Tracking-Cookies begrenzen. Dieser Verbot sollte gesetzlich verankert werden.

Schritt 2 - exakte Linksetzung - um den kleinen Webmasterlein über's Ohr zu hauen:

Das geht sehr komplex zu und in voller Übereinstimmung mit den AGB des Affiliateprogrammes, und sieht wie folgt aus:

Schritt 2 a) Die Komplexität

Das Erstellen eines Banner-Link über die angebotene Software des Affiliatprogrammes geht sehr einfach vor sich:

  • man wähle beim Affiliateprogramm "Building Links"
  • man folge den Schritten des Programmes
  • man kopiere mit "past" und "copy" den HTML-Code
  • man integriere diesen Code in die eigene Webseite

Aber wehe man passt nicht auf! Weil in der Zwischenzeit haben einige Affiliateprogramme bereits die URL in einem kleinen Kästchen verändert, dass man schnell übersieht. Und nun kommt die befreiende Meldung "der Link ist Aktiv". Auch dann, wenn der Link auf der falschen URL sitzt.

Weil man höre und staune: Der Link ist Aktiv. Das Affiliate-Programm bekommt sein Geld vom Merchandise. Gemäss Kleingedrucktem in den AGB meint das Affiliate-Programm, dass es dann diese Provision gar nicht weitergeben muss.

Aber da täuscht es sich. Entweder gibt er das Geld dem Affiliate-Partner (Publisher) weiter oder es muss es dem Merchand zurückgeben! Ansonsten ist es bewusst, ungerechtfertigte Bereicherung oder ganz simpel gesagt qualifizierter Betrug.

Schritt 2b) Die komplexe Kaufabwicklung

Gehen wir davon aus, dass per Zufall der Link auf der richtigen URL sitzt, und das die AGB respektiert worden sind. Nun machen sich gewisse Affiliate-Programm die eigentliche "Kaufabwicklung" zu ihren Nutzen und eliminieren endgültig den kleinen Webmaster. Das läuft folgendermassen ab:

Der Käufer (Endkunde) klickt auf Ihren Banner und sieht etwas Interessantes zu erwerben. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Schritt 2b) 1

Der/die Käufer/in sitzt im Büro seines Arbeitgebers und findet per Zufall Ihren interessanten Banner, klickt darauf und will kaufen. Aber während der Arbeitszeit darf man das nicht tun und muss es auf den Abend verschieben. So kopiert man oben die Linkadresse, setzt es auf einer E-Mail (oder schreibt es auf einen Zettel) und Abends zu hause Kauft man es ab dem privaten PC.

Aber da der Link nicht aus der ursprüngliche URL stammt, bekommt der Affi-Partner sein Geld nicht. Wohl bekommt aber das Affiliateprogramm sein Geld vom Merchandise, weil der Link an sich aktiv und "leistungsfähig" ist. Der Merchandise weiss von diesem Unsinn natürlich auch nichts.

Schritt 2b) 2

Der/die Käufer/in sitzt zu Hause und muss den Kauf erst mit seinem Ehepartner besprechen. So setzt er den Link in den Favoriten/Bookmarks und kauft zwei Wochen Später, indem er aus den Favoriten/Bookmarks heraus clickt. Die Cookies sind in der Zwischenzeit von den meisten Browser oder Antiviren-Programmen gelöscht worden, oder von den oben besagten Top-Seiten "news" und "finanzen" überschrieben worden. Hier, nach 2 Wochen noch ein eigener Cookie im PC des Käufers zu haben, liegt nur im Rahmen der 2 - 5 % Möglichkeiten.

Nachtrag vom 11.11.2008
Auch dies wiederum ist ein Grund, um für eine kurze Dauer von Cookies zu plädieren. Dann nämlich, wäre es egal, wenn Browser, Antivirenprogramme, Firewalls, HD-Entrümpler usw. usw. die Cookies löschen würden.
Aber auch in diesem Beispiel, da der Link nicht aus der ursprüngliche URL stammt, bekommt der Affi-Partner sein Geld nicht. Wohl bekommt aber das Affiliate-Programm das ganze Geld vom Merchand, weil der Link an sich aktiv und "leistungsfähig" ist. Der Merchand weiss natürlich auch von diesem Unsinn gar nichts.

Schritt 3) Die Registrierung der IP-Nummer (Nachtrag vom 7.10.2009)

Heute bin ich fast vom Stuhl gefallen als ich in den Allgemeinenen Bestimmungen eines italienischen Affiliate-Programm gelesen habe:

Kurz übersetzt: Kauft ein User/Kunde ein paar Tage später etwas, indem er sich wieder beim Merchand anmeldet, dann muss sowohl der Cookie präsent sein und der USER muss sich mit der alten IP-Nummer angemeldet haben, mit der er das erste Mal den Cookie aktiviert hat. Erst dann gibt es eine Provision.

Aber ausser uns Profi-Webmaster, wer bekommt denn am nächsten Tag von seinem Provider diesselbe IP-Nummer?

Da in der Affiliate-Werbung nur etwas von der Cookie-Dauer von 30 Tagen steht, kann man dies auch als qualifizierten Betrug betrachten.

Rechtliches

Wenn das Affiliateprogramm vom Merchand seine - und Eure Provision - erhält, dann muss er Eure Provision entweder:

  • Euch weitergeben (denn es ist Euer Arbeitsverdienst und Entlöhnung)
  • oder dem Merchand zurückgeben (sonst ist es ungerechtfertigte Bereicherung)

Tut er dies nicht, dann sollte man den zuständigen Staatsanwalt informieren.

Wie bereits Erwähnt, kennen sich die Partner meist nicht persönlich. So kann keine geschäftliche Vertrauensbasis aufgebaut werden. Fehlt jedoch diese Vertrauensbasis, dann ist psychologisch alles erlaubt.

Analysieren wir das Ganze von einer anderen Seite:

Da sind verschiedene riesengrosse Merchand auf dem Markt. Diese Merchands schliessen sich oft an grosse, selbstständige Affiliate-Netzwerken. Nun meine Fragen:

  • Was haben diese Affiliate-Netzwerken, zusammen mit den Merchand für Interessen?
  • Sind in diesen "Interessen" auch die kleinen Webmasters - die man überhaupt nicht kennt, und oft wie ein Klotz am Bein wahrgenommen werden - eingeschlossen?
  • Schaut der grosse Merchandise seinen Affiliate-Netwerk über die Schulter, und kontrolliert ob die Provision auch am richtigen Partner weitergegeben wird? Oder fällt das ganz einfach nicht in seinem Aufgabenbereich?
  • Wer kontrolliert die Softwaren-Verantwortlichen im Affiliate-Netzwerk?
  • Sind die Software-Verantwortlichen alles Engel, die die Provision niemals einer anderen ID überschreiben würden?

Dieser Markt ist funkelnagelneu. Ist erst vor 15 Jahren entstanden und genau hier - in diesem Punkt - fehlt noch eine unabhängige, externe Kontrollstelle!
Am besten wäre wenn sich der Fiskus damit befassen würde. Denn wenn ganz wenige Softwarenspezialisten die ID austauschen sollten, dann geht ganz bestimmt das Geld ins sichere Ausland. Den wir reden hier von Millionengeschäfte und Milliardenumsätzen.

Nachtrag vom 13.11.2009
Ich bin bei verschieden Affiliate-Programme dabei. die mein Vertrauen haben. Sobald ich in den Diskussionsforen positiv über diese Affiliateprogramme rede, werden diesselbe "niedergemacht". Als ob die Betrüger sich bereits in den Diskussionsforen ausgebreitet hätten, und alles was seriös ist niedermachen. Sonst hätten sie ja kein Brot.....

 

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